Welcher Donut ist der MVP?

MVP - ein schneller Start im eCommerce

Was ist ein MVP?

MVP steht für „Minimum Viable Product“. Damit ist ein minimal funktionsfähiges Produkt gemeint, das schnell an den Start gehen kann, um seine Marktfähigkeit zu testen. Also ein Donut ohne Verzierung und Farbe, die simpelste Ausführung, aber ein fertiges Produkt. Das Konzept stammt aus der Lean Startup Methode und wird vor allem in der Softwareentwicklung eingesetzt. Im eCommerce wird ein MVP genutzt, um einen Online-Shop oder einen Marktplatz in seinen Grundfunktionalitäten zu testen, ohne sich bereits in große Investitionen in Technologie oder Manpower zu stürzen. Zum Beispiel könnte ein Online-Shop für Computerteile gelaunched werden, zu Anfang mit Basis-Shopfunktionen, aber ohne Konfigurator für die Zusammenstellung eines des eigenen Computers und nur mit einem Standard-Checkout.

Ein MVP unterscheidet sich von einem Prototyp oder einem Proof of Concept (PoC):

Ein PoC ist, so wie das MVP, eine Methode, um Zeit zu sparen und gewisse Annahmen zu verifizieren. Es ist dafür da, die Kernfunktionalität zu testen, also zu überprüfen, ob sie überhaupt funktioniert. Ein Proof of Concept geht für gewöhnlich nicht live – es fehlt die Benutzeroberfläche, die Anbindung an die kompletten Datenbanken und alles, was zum „Ausprobieren“ der Kernfunktionalität nicht notwendig ist.

Ein Prototyp ist bestenfalls die Vorversion eines MVPs – ein Entwurf eines Produktes, der die grundlegenden Funktionen erfüllt und zu Testzwecken genutzt wird. Ein Prototyp wird im Gegensatz zum MVP nicht auf den Markt gebracht. Er hat die Kernfunktionalität, ihm fehlen oft einige Funktionen, die dafür notwendig wären, hat also unter Umständen noch gar kein Front-End.

Ein MVP ist, wie der Name schon sagt, ein minimal funktionsfähiges Produkt – es wird also auf den Markt gebracht und hat die Kernfunktionalität und alle anderen notwendigen Funktionen, zumindest zu einem Minimum. Ein Prototyp kann die Basis eines MVPs sein: Wenn man den Prototyp weiter entwickelt und alle Funktionen da sind, kann die Technologie als MVP genutzt werden.

Was sind die Vorteile eines MVPs?

  • Ein MVP kann sehr schnell realisiert werden. Relativ zu der Zeit und dem Aufwand, die für die Kreation eines kompletten neuen Produktes notwendig wäre, ist für ein MVP deutlich weniger nötig. Das hat den Vorteil, dass man schnell herausfinden kann, wie marktfähig das eigene Produkt sein kann und wie Kunden darauf reagieren. Denn die Marktanforderungen ändern sich immer schneller.
  • Ein MVP ist preiswert. Die Kosten können sehr gering gehalten werden, da bloß der minimale Aufwand getätigt werden muss. Ein MVP kann auch mit Kostendeckel aufgebaut werden: Das bedeutet, dass man sich für einen bestimmten Betrag entscheidet, der ausgegeben werden kann, und innerhalb dieses Budgets das Produkt auf die Beine stellt.
  • Ein MVP wird genutzt, wenn man sich der Marktfähigkeit des Produktes nicht sicher ist. Das Risiko ist minimal. Wenn man sich gegen das MVP entscheidet, ist also möglichst wenig verloren. Mit einem MVP bleibt man pragmatisch und bekommt trotzdem Marktfeedback aus der Praxis.

Die Einsatzbereiche vom MVP im eCommerce

Ein MVP kann im eCommerce besonders von kleineren Unternehmen und Start-Ups gut genutzt werden, um einen Onlineshop aufzubauen, um den Einstieg ins eCommerce zu testen. Größere Unternehmen nutzen MVPs dazu, um Budgets für große Projekte zu validieren oder um neue Geschäftsmodelle wie D2C zu prüfen.Ein MVP folgt dem Motto „learning by doing“, eine agile Vorgehensweise – der Shop mag noch nicht perfekt sein, aber durch Kundenfeedback und Nutzerdaten kann er laufend verbessert werden.

Was braucht man für ein MVP im eCommerce?

Ein MVP sollte einfach erstellt werden können und flexibel sein. Eine cloudbasierte Technologie bietet sich hier an, da keine eigenen Server aufgestellt und verwaltet werden müssen, ein rascher Einstieg und Ausstieg gewährleistet sind. Ein MVP fokussiert sich meist auf Standard-Funktionalitäten, entsprechend eignet sich eine Technologie, die bereits alle Standard-Commerce-Prozesse abbildet und gleichzeitig leicht anpassbar oder erweiterbar ist. Ein MVP sollte schnell verändert werden können, damit das Nutzerfeedback eingebaut werden kann.

Auch ist es wichtig, die richtigen Features eines MVPs zu identifizieren. Was sind wirklich wichtige, minimale Anforderungen? Das kann beispielsweise ein Basis-Checkout sein, Templating und die Anbindung ans ERP. Funktionalitäten wie besondere Zahlungsmodelle, Anbindung an weitere Systeme wie Mailing-Versand oder PIM, würden erst im nächsten Schritt kommen. Um priorisieren zu können, bedarf es vorab einer Vision, wie das Produkt am Ende aussehen soll. Entsprechend können die Basisfunktionalitäten sehr unterschiedlich ausfallen. Bei Rose Bikes stellt der Produktkonfigurator möglicherweise eine Basisfunktionalität dar, weil es Kern des Geschäftsmodells ist, sich sein Fahrrad selbst zusammenbauen zu können.


Vom MVP zur Endversion: Ein fließender Prozess

„Alles hat ein Ende, nur ein MVP nicht“ – so lautet das Sprichwort zur Entwicklung eines MVPs. Die Annahme: Ein MVP ist ein agiler Prozess. Es wird also laufend weiterentwickelt, mit Kundenfeedback und Nutzerdaten als Basis für die nächsten Schritte. Wenn das MVP auf den Markt gebracht wird, sind Basisfunktionalitäten da, es ist somit komplett benutzbar, aber noch nicht vollendet in allen Varianten, im schönsten Design, perfekter UX oder im Zusammenspiel mit anderen Systemen. Mit der Zeit werden mehr und mehr Funktionalitäten hinzugefügt. Ab wann ist ein MVP überhaupt noch ein MVP? Ab wann ist es ein vollendetes Produkt? Und wann ist das Produkt fertig?

Die Antwort liegt in der Zielsetzung: MVPs werden dazu genutzt, den Markt für ein neues Produkt zu testen. Mithilfe des MVPs will man sich dafür (oder dagegen) entscheiden, das Produkt weiterzuentwickeln. An dem Punkt, wo der Markt für das Produkt definiert ist und neue Funktionalitäten hinzugefügt werden, ist es kein MVP mehr – schließlich ist es auch nicht mehr „minimal“. Letzten Endes ist die Frage, wann ein MVP ein Produkt ist, für den Händler nicht ausschlaggebend. Denn es geht um ständige Verbesserungen, um die stetige Einbeziehung des Kundenfeedbacks, um eine agile Vorgehensweise eben.

Wie diese agile Vorgehensweise in der eCommerce Praxis aussieht und welche Erfahrungen er damit gemacht hat, beschreibt unser Partner Wolfgang Angeli auf seinem Blog. Zum Beispiel - Die sieben planbaren Schritte zum MVP:

  1. Analyse der wichtigsten primären Ziele und Prozesse,
  2. Identifikation der minimalsten, aber akzeptablen Lösungen,
  3. MVP möglichst früh produktiv nutzen und Erfahrungen sammeln,
  4. Weggelassene Funktionalitäten durch manuelle Schritte ersetzen,
  5. Priorisierung der nächsten Themen und Arbeitserleichterungen,
  6. Inkrementelle Verbesserungen & Erweiterungen,
  7. Finaler Go-Live aller Shopsysteme.

Die Crux liegt zwischen „Minimum“ und „Viable“

Bei der Kreation eines MVPs ist es wichtig, die richtige Kombination von „minimal“ und „funktionsfähig“ zu treffen. Ein MVP sollte klein genug sein, dass der Aufwand sehr gering ist, und dass es einfach aufgestellt werden kann. Zugleich sollte ein MVP nicht zu klein sein, damit es funktioniert und auf dem Markt überhaupt ein Potential hat – damit man Feedback bekommen kann. Ein MVP ist der Punkt in der Produktentwicklung, wo sich minimaler Aufwand und qualitatives Feedback treffen. Man sagt: „Wer sich für sein MVP nicht schämt, hat kein MVP.“ Wenn es also so gut ausgearbeitet ist, dass es vollkommen funktionsfähig ist, dann ist es kein richtiges MVP.

Das ist wichtig, damit man nicht zu viel Aufwand in das MVP steckt, bevor man es live stellt. Schließlich ist einer der großen Vorteile dieses Konzeptes die Risikominimierung: Wenn das Feedback für das MVP ergibt, dass es nicht marktfähig ist, wird das gesamte Projekt eingestampft. Jedes bisschen an Aufwand, den man sich hätte sparen können, ist also verschwendet.


Beispiele für MVPs

Um eine Idee davon zu bekommen, wie unterschiedlich MVPs ausfallen, hier einige Beispiele, die inzwischen erfolgreiche Player am Markt sind und was man von ihnen lernen kann.

  • Uber hat seine Taxi-Dienste anfangs nur auf San Francisco beschränkt, die nur über iPhones abrufbar waren – für ein MVP können technische und örtliche Begrenzungen äußerst hilfreich sein.
  • Auch Amazon hat klein angefangen – nur mit Büchern. Als MVP war das vielleicht nicht gedacht, es hat aber die Möglichkeit des Online-Versands aufzeigen können.
  • Zappos hatte zu Anfang kein eigenes Warenhaus – stattdessen haben die Gründer die Schuhe auf Bedarf gekauft und weiterverkauft. Die aktuelle Alternative für ein solches Vorgehen wäre vielleicht das Dropshipping!
  • Auch Groupon hatte Anfangs keine Technologie, stattdessen wurde alles manuell gemacht – ein gutes Beispiel dafür, dass die Technologie nicht notwendig ist, um den Markt zu testen.
  • Ähnlich auch airbnb: Zu Anfang haben die Gründer nur die eigene Wohnung vermietet. Damit konnten sie ihre Zielgruppe kennenlernen, den Markt testen und das Geld hat ihnen ermöglicht, die App aufzubauen.

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Zuletzt aktualisiert am 17.03.2022


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Digital Native mit Background in Psychologie und Wirtschaft. Begeistert von Daten und Menschen.

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