Marktplatz Dropshipping

Dropshipping versus Marktplatz: Verkaufen ohne Lager, aber wie?

Online zu verkaufen, ohne dabei ein eigenes Lager vorhalten zu müssen, klingt für viele nach einer guten Geschäftsidee. Die Idee vom eigenen Marktplatz gewinnt an Attraktivität – mittlerweile gibt es über 200 B2C-Marktplätze in deutscher Sprache. Im Jahr 2020 konnten Online-Marktplätze dank Corona ein Wachstum von 80% verzeichnen und sind damit doppelt so stark gewachsen wie der gesamte Online-Handel.

Inzwischen treffen die Auswirkungen der Pandemie und des Ukraine-Kriegs auf die weltweite Supply Chain auch Marktplätze und lassen die Quartalszahlen schrumpfen. Ein Grund mehr, sich über das eigene eCommerce Geschäftsmodell Gedanken zu machen. Was macht einen echten Online-Marktplatz aus und wo funktioniert Dropshipping als Geschäftsmodell besser?

Nicht nur operativ unterscheiden sie sich, es sind auch wichtige legale Aspekte zu bedenken. In diesem Artikel wollen wir die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten dieser Ansätze vergleichen, damit du dich entscheiden kannst, welcher Ansatz am besten für dich ist. Schließlich ist keine besser als die anderen Optionen – es kommt darauf an, welches Modell richtig für deine Situation ist.

Was ist ein „echter Marktplatz“?

Bei einem Online-Marktplatz handelt es sich um eine Verkaufsplattform, auf der Kunden mit einer Vielzahl von Händlern zusammengebracht werden. Das bedeutet, Kunden erhalten auf dem virtuellen Marktplatz ein wesentlich größeres Sortiment und können Produkte von verschiedenen Händlern idealerweise mit einem Single-Payment-Checkout zugleich kaufen. Dabei kommt der Kaufvertrag zwischen dem Kunden und dem jeweiligen Händler zustande, der für die Richtigkeit und die Erfüllung des Angebots verantwortlich ist. Dabei kann ein Kunde in einem Kauf mehrere Kaufverträge zugleich abschließen – mit jedem einzelnen Händler, von dem er kauft. Der Marktplatz-Betreiber selbst bietet die Verkaufsplattform, sorgt für Bekanntheit, Organisation und Reichweite. Für das one-face-to-the-customer, inklusive Kundenservice, Bestellabwicklung und natürlich für die Sortimentsgestaltung und die Betreuung sorgt der Händler. Da die Händler für die eingestellten Produkte verantwortlich sind, bestimmen sie auch deren Preise, mögliche Rabatte, Versandkosten und Lieferbedingungen. Wichtig: Die Zahlungsabwicklung bei einem Marktplatz unterliegt regulatorischen Auflagen für den Marktplatzbetreiber und müssen BaFin-konform abgewickelt werden. Daher wird typischerweise ein Finanzdienstleister dazwischengeschaltet, der die Zahlung des Kunden aufsplittet auf die unterschiedlichen Händler, bei denen er gekauft hat! Dasselbe gilt für die Rückabwicklung der Zahlungsflüsse bei Storno oder Retouren.

Wie unterscheidet sich Dropshipping vom Online-Marktplatz?

Bei beiden Konzepten hat der Betreiber kein eigenes Lager und verkauft Produkte, die nicht durch seine eigenen Hände gehen. Auf den ersten Blick scheinen sie sehr ähnlich – aber es gibt ein paar grundlegende Unterschiede:

Bei dem „echten“ Online-Marktplatz ist der Betreiber der Verkaufsplattform nicht verantwortlich für die Erfüllung des Angebots der Händler, weil der Kunde den Kaufvertrag mit den Händlern abschließt und die Rechnung auch von diesen bekommt.

Beim Dropshipping hingegen kommt der Vertrag mit dem Shop-Betreiber zustande. Daher ist Dropshipping genau genommen kein Marktplatz, selbst wenn die Produkte von verschiedenen Dropshippern geliefert werden. Der Shop-Betreiber ist also auch dafür zuständig, die Preise, Rabatte und Versandkosten festzulegen, stellt die Rechnung an den Kunden, und ist für die Produktdaten verantwortlich. Mehr zu den Vor- und Nachteilen von Dropshipping findest du in einem anderen Artikel.

Monetarisierung von Online-Marktplätzen und Dropshipping

Egal für welches Geschäftsmodell du dich entscheidest, vor deinem Start ist es wichtig, dass du dir über den Business Case Gedanken gemacht hast, wie du als Betreiber eines virtuellen Marktplatzes oder Dropshipper Geld verdienst.

Wie wird ein Marktplatz monetarisiert?

Ein Marktplatz kann sich durch Gebühren, Listing Fees, Marketing Packages und / oder Provision monetarisieren.
Ein Händler, der auf einem Marktplatz verkauft, zahlt Gebühren an den Betreiber, fixe Grundgebühren für die Bereitstellung der Plattform inclusive Technologie, Marketing und Kundenbetreuung. Der Marktplatzbetreiber kann eine Provision bei jedem Verkauf erheben, die er pro Händler, pro Produktkategorie oder sogar pro Artikel definieren kann.

Wie wird Dropshipping monetarisiert?

Der Betreiber des Dropshipping-Shops bekommt die Produkte vom Dropshipper zu einem definierten Preis. Den Preis an seine Kunden wählt er selbst. Er verdient also an der Differenz. Sobald eine lukrative Nische gefunden ist, kann es jedoch sein, dass ein Konkurrent diese ebenso entdeckt und dieselben Produkte günstiger anbietet.

Ist ein „echter Marktplatz“ besser?

Die Frage, ob irgendeines dieser Modelle besser als die anderen ist, ist einfach zu beantworten: Nein. Es ist wichtig zu wissen, was genau das eigene Geschäftsmodell sein soll und welches Ziel man damit verfolgt, bevor es an die Umsetzung geht.

Ein „echter Marktplatz“ ist dann sinnvoll, wenn:

  • durch das Sortiment dem Kunden ein Mehrwert geboten werden kann, weil die verschiedenen Produkte von verschiedenen Anbietern zusammenpassen und einander ergänzen. Beispielsweise kann auf einem Marktplatz alles rund um Nachhaltigkeit zu finden sein. Für B2B-Kunden ist ein Marktplatz eine Erleichterung, weil beispielsweise zusätzlich zu einer Maschine alle Ersatzteile, Zubehör und Dienstleistungen zu erhalten sind.

  • der Marktplatz für Händler eine lukrative Verkaufsplattform darstellt. Insbesondere für (stationäre) Händler, die nicht in einen eigenen Shop investieren wollen, erscheint ein Marktplatz als digitale Präsenz interessant. Oder wenn der Name und die Reichweite des Marktplatzes für neue Kundschaft sorgt. Der Aufwand, Produkte auf einem Marktplatz einzustellen, sowohl, was die Technologie als auch die Gebühren oder andere Anforderungen an Datenqualität oder Content betrifft muss geringer sein als die erzielten Umsätze. Für den Betreiber besonders angenehm: Die Profitmarge ist irrelevant – er verdient nur an den Gebühren, die unabhängig vom Preis sind, vorausgesetzt er kann Händler überzeugen und onboarden.

  • eigene Ressourcen vorhanden sind, um Prozesse, Technologie und das Marketing aufzusetzen, damit der Marktplatz sowohl für Kunden als auch für Händler attraktiv ist.

Dropshipping ist dann geeignet, wenn man den Herstellern der Produkte etwas voraushat, das sie selbst nicht erreichen können, beispielsweise lokale Marktkenntnis oder die Kundenbeziehungen. Dropshipper kommen oft aus dem Ausland, wo Produkte günstig produziert werden können. Die Kombination aus günstigen Produkten beispielsweise via Aliexpress und einer adäquaten Vermarktung kann ein gelingendes Geschäftsmodell werden.

Insbesondere für Einsteiger im eCommerce empfiehlt sich Dropshipping, da es schnell und ohne hohe Investitionen etabliert werden kann, und weil es keiner Lagerhaltung bedarf. Einen echten Marktplatz aufzubauen, erfordert viel Prozess- und eCommerce Know-How. Daher entstehen die meisten Marktplätze aus bestehenden Online-Shops.

Das jeweilige passende Geschäftsmodell kann sehr unterschiedlich ausfallen und kombiniert werden. Dropshipping kann auch als Erweiterung deines Shops dienen. Auf einem eigenen Marktplatz kannst du auch selbst als Händler mit eigenem Sortiment vertreten sein. Oder du nutzt die Insights zur Produkt Performance, um zu erkennen welche Produkte deine Kunden besonders häufig nachfragen und bietest sie selbst an. Oder du lockst deine Händler, indem du ihnen eine Shop-in-Shop-Lösung auf deinem Marktplatz anbietest, quasi einen eigenen Bereich mit eigener Präsentation und ohne direkte Konkurrenz.

Umso wichtiger also, zuerst über Ziele, Verantwortlichkeiten, Positionierung, Monetarisierung und Prozesse nachzudenken, denn das bestimmt, welches Modell für dich das passende ist.

Titelbild von CHUTTERSNAP | Unsplash

Veröffentlicht am von
Zuletzt aktualisiert am 01.07.2022


Autorenprofil


Digital Native mit Background in Psychologie und Wirtschaft. Begeistert von Daten und Menschen.